Wie sage ich mir, was ich gut kann? Eine simple Methode

Eltern von kleinen Kindern verlieren eines schnell aus den Augen: Sich!
Wir wechseln Windeln, pusten hier ein Wehwehchen weg, kochen dort und waschen Unmengen an Wäsche. Wir kommen oft zu kurz. Natürlich ist das eine Frage der Zeit, bis wieder andere Zeiten kommen. Diese Zeit der Versorgung ist begrenzt.

 

Eltern mit depressiven Phasen aber verlieren sich nicht nur aus den Augen, sie vergessen sich regelrecht. Sie sehen sich nicht mehr klar und wenn man sie fragt, was kannst du gut, bin ich mir sicher, sie würden am liebsten mit Schweigen antworten.

 

Sätze wie „Du weißt doch, dass du toll bist“ stoßen in depressiven Phasen auf depressiv-taube Ohren. Und selbst wenn wir es schaffen, uns zu sagen „ich bin toll“ dann weiß unser Unterbewussttyp im Gehirn in der Regel immer noch nicht, was wir wollen. Ich schrieb das mal hier zu den „möglichst konkreten Botschaften„.

Um sich selbst und die Welt so positiv wie möglich zu sehen, brauchen wir also konkrete Aussagen über uns.

Wie formuliere ich für mich, was ich gut kann?

Jemand anderen zu fragen, was toll an uns ist, ist nicht so einfach, wenn man denkt, man selbst sei überhaupt nicht wertvoll. Also tricksen wir uns aus. Wenn wir uns nicht als Ganzes sehen, sondern uns in „Teile zerlegen“, ist es für unseren Unterbewusst-Typ einfacher. Ich zeige euch mal, was ich meine.

 

Wenn ich mich frage, was kannst du gut, weigert sich mein Unterbewusst-Typ immer noch ein wenig. Er ziert sich, mir zu sagen, was ich gut kann, aus Scham oder aus dem Gedanken „nichts“ heraus. Also konkretisieren wir die Frage an uns selbst noch weiter: Als erstes, um unsere Sinne anzuregen, malen wir unsere Hand auf. Wie früher in der Grundschule. Papier, Stift und los geht es mit dem Ummalen der Hand. Dann schreiben wir konkret die Frage aben drüber „Was kann meine Hand gut?“. Wir veräppeln uns ein wenig selbst, denn jetzt passiert es. Statt uns zu sehen und uns in Frage zu stellen, sehen wir eine Hand. Unser Unterbewusst-Typ distanziert sich von der Hand. Plötzlich kann er sie losgelöst von uns betrachten. Immerhin liegt sie da vor uns. Eine Frage, die uns im Inneren aufwühlt, bringen wir so nach außen, um sie zu lösen.

„Jaaaaa“, wird er begeistert rufen „dazu fällt mir doch etwas ein, was Hände gut können“. Und schon fällt es uns leichter, diverse Tätigkeiten kurz und knapp (!) aufzuschreiben. Es muss nichts Weltbewegendes sein, fangt mit harmlosen kleinen Dingen an. Ihr seid Kartoffel-schäl-König? Oder bester Bauchkitzler der Welt? Oder einfach nur bester Einschlaf-Händchenhalter? Dann schreibt das auf!

 

Wie das aussehen kann, habe ich im Selbstversuch ausprobiert. Meine Hand, meine Frage und Dinge, die mir spontan zu meiner Hand eingefallen sind. Damit es Spaß macht: Gestaltet euer Bild so, wie ihr es wollt, wie es lustig für euch ist. Verhindert, dass ihr ins Grübeln kommt. Euch fällt nichts ein? Dann malt doch erst mal Fingernägel. Zack: Erste Tätigkeit kann man aufschreiben, nämlich Nägel lackieren?! 🙂

 


Dadurch, dass die Tätigkeiten kurz und knapp sind, nehmen wir uns die Möglichkeit, ein „ABER“ einzufügen. Ich kann Yoga üben. Ja kann ich. Ich muss nicht erwähnen, dass ich Yoga gerade mal in 3 Positionen beherrsche und ansonsten total unsicher bin.

Wenn ich jetzt auf mein Bild sehe, staune ich über mich. Ich hätte die Dinge wohl nie zu mir selbst im Spiegel gesagt. Jetzt kann ich sie schwarz auf bunt lesen. Jetzt kann ich mir vor Augen führen, dass ich das bin. Ich kann all die Sachen dort auf dem Bild. Ist das nicht großartig? Eltern kann diese Übung helfen, sich wieder besser wahrzunehmen, zu sehen „ich bin mehr als die /der Windelwechsler“.
Aber Achtung: Wenn du dich irgendwie unwohl fühlst bei so einer Übung, dann brich sie ab! Hier geht es darum, ein gutes Gefühl zu geben. Wenn du aber das Gefühl hast, es wirft dich aus der Bahn, dann bitte nicht machen. Dann frag lieber deinen Therapeuten, wie er so etwas für dich einschätzt.

 

Das funktioniert auch mit anderen Körperteilen, einem Fuß, einen Kußmund aus Lippenstift, den ganzen Körper.
Und man könnte es auch mit Kindern ausprobieren. Unsicheren Kindern zu zeigen, was man mit Körperteilen alles machen kann und was vor allem SIE schon machen können. Ich wüsste keinen Grund, warum man das nicht machen sollte 🙂 Wenn ich mich recht erinnere, hat mein Sohn sich mal komplett umranden lassen müssen in der Kita. Um die Selbstwahrnehmung zu schulen, haben sie dann Augenfarben etc. eingemalt. Das Grundprinzip ist ähnlich 🙂
Den Körper entdecken ist doch in jedem Alter wichtig, oder? Also ran an die Stifte!

 

Erzählt mal, was würde an eurer Hand stehen?

Petra

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Petra

Hey! Hier schreibt Petra: Mama, Autorin, kreativer Kopf und ab sofort auch Reiseplanende. Schön, dass Du uns auf unserem Weg zur Reise und vielleicht sogar während der Reise begleitest! Mit auf Reisen und immer dabei: Mein Sohn.

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