Liegen bleiben oder aufstehen?

Vom Aufstehen und können

Es ist ein Freitag. Irgendein Freitag in den letzten Wochen. Es ist 7:05 am morgen.

 

Eigentlich müsstest ihr los in den nächsten 10-20 Minuten, damit ihr es noch pünktlich in euren Alltag schafft. Ihr, der Sohn und du. Doch es ist kurz vor Ferienbeginn, die Tage lassen sich bereits abzählen und so ist hier gerade alles andere als Kooperationsbereitschaft zu erwartet. Urplötzlich bist du eine Kak-Mama und die blödeste Frau überhaupt. Vermutlich weiß nicht mal der Sohn, warum du das gerade bist , aber du bist es gerade und offensichtlich hast du etwas falsch gemach. „Du verstehst mich ja nie“… Diesen Satz hattest du in der Pubertät erwartet bis dir klar wurde, dass ihr mitten in einer Stecken, der Vorschul- Wackelzahnpubertät.

 

Sei es drum, es trifft dich an diesem Morgen. Mehr denn je, mehr als es gut ist und mehr als du gerade auffangen kannst.

 

Die Kinderzimmer-Türe knallt.
Du gehst ins Badezimmer. Schließst die Tür. Setzt dich auf den Badewannen-Rand.

 

Das hier, das ist alles eine Hausnummer zu hoch für dich.

 

Weiter kommen deine Gedanken nicht. Der Kopf ist trainiert auf das, was es zu sagen gäbe und ist zeitgleich so stumpf gegenüber den Gegenargumenten. Die Woche war zu hart, zu unnormal, zu unroutiniert. Und doch genau so, wie du es gewollt hattest. What is the f**king Problem?

 

2 Minuten. 5 Minuten.

 

Heute ist er, der Tag. Du hast dich immer davor gefürchtet. Immer hast du gesagt, dass es auch ohne weitere Hilfe geht, weil es noch klappt, dass mit dem Aufstehen. Weil Aufgeben bisher keine Option war. Vielleicht ist es das aber jetzt? Einfach sitzen bleiben.

 

10 Minuten.

 

„Mama?“ „Mmmmh?“ „Du musst dir die Schminke wegwischen. Du hast schwarze Augen. Aber kommst du dann? Ich hab ja nicht mehr viele Freitage und heute ist doch…“ Seine Argumente durchdringen die Watte bruchstückhaft. „Mamaaa?“

 

„Ja, klar. Entschuldige. Du hast Recht. Ich komme.“

 

Natürlich stehst du auf, richtest deine Schmincke, ignorierst den Haushalt, der dich aus allen Ecken anstart und bringst deinen Sohn zu einen der letzten Freitage vor den Ferien. Natürlich bist du nicht sitzen geblieben. Selbst das kannst du nicht – ist der Gedanke an diesen Tagen. Ein Gott sei dank – kannst du erst am nächsten Morgen denken.

 

Tage später wirst du einen Tweet lesen:

Gefühlte 15 Minuten starst du diese Zeilen an. Einem Impuls folgend verfasst du diese Zeilen, nicht ohne einen ordentlichen Gefühlsausbruch. Der Autor hat zu viele Menschen liegen bleiben sehen, zu viele sind nicht mehr aufgestanden.

 

Soll er dich auch liegen sehen? Willst du dich liegend sehen?

 

 

Natürlich willst du nicht liegen bleiben. Das wird dir heute klarer denn je. Das Ziel fehlt. Und einige andere Dinge. Aber nichts davon könnte dich dazu bringen, liegen zu bleiben.

 

Nicht so lange noch jemand „Mamaaa?“ fragt und darauf vertraut, dass du seine Freitage so gestaltest, dass sie keine schwarzen Bänder brauchen. Punkt.

 

Nicht so lange es noch so viel zu lernen, zu entdecken und zu wollen gibt. Nicht so lange du noch in einem Meer an Möglichkeiten schwimmst. Du würdest dich nämlich immer fragen, ob die andere Richtung besser gewesen wäre.

 

 

Und plötzlich ist so ein Sitzen auf dem Badewannenrand nicht mehr ganz so ängstigend. Zu wissen, dass man doch noch aufstehen wird, ist tröstlich. Und du wünscht jedem, dass er diesen Pusteblumen-Gedanken doch einfangen kann!

 

 

P.S.: Und vielleicht hilft dir dieser Gedanke auch aus dem Schreibloch heraus, welches dieses Blog befallen hat? Es schreibt sich so schlecht wenn man immer denkt, das Gesagte würde einen selbst zum liegenbleiben animieren. Vielleicht hilft „Aufstehen“ auch hier?

Petra

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Petra

Hey! Hier schreibt Petra: Mama, Autorin, kreativer Kopf und ab sofort auch Reiseplanende. Schön, dass Du uns auf unserem Weg zur Reise und vielleicht sogar während der Reise begleitest! Mit auf Reisen und immer dabei: Mein Sohn.

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