Teil 1 zu „Arbeitslosigkeit und Depressionen“ – Gründe

Das Leben hält viele Überraschungen für uns bereit. Manchmal sind diese nicht so gut und reißen uns regelrecht in ein Loch. Nun arbeite ich schon sehr lange an mir und an den Depressionen und Burn Outs. Ich war auf das vorbereitet, was auf mich zu kam, als ich mich arbeitslos meldete. Und dann stellte ich mir wieder einmal die Frage: Was passiert wohl mit anderen Eltern / Alleinerziehende, wenn sie unvorbereitet in diese Situation kommen – Alleinerziehend, plötzlich ohne Job aber mit all der gesamten Verantwortung?

 

Das führte mich dazu, dass ich einen 3teiligen Beitrag zu dem Thema „Arbeitslos und Depressionen“ verfasst habe. Ich möchte die Gründe, die Gedanken und die Veränderungen besprechen. Vielleicht schaffe ich damit eine Idee und eine Grundlage für Veränderungen? In den nächsten Wochen erscheinen aber nun Beiträge mit folgenden Inhalten:

1. Beitrag: 12 Punkte, warum Arbeitslosigkeit besonders bei Alleinerziehenden zu Depressionen führt
2. Beitrag: Was würde ich verändern, damit Alleinerziehende in dem Fall von Arbeitslosigkeit eben nicht Depressionen versinken
3. Beitrag: Was man als Betroffene/r tun kann, um mit der Arbeitslosigkeit besser fertig zu werden

Dann mal los!

 

Teil 1 von 3: 12 Punkte, warum Arbeitslosigkeit besonders bei alleinerziehenden Eltern  zu Depressionen führt

Warum ist das so, dass Arbeitslose so deprimiert sind? Und warum ist das gerade für Eltern in dieser Situation besonders schlimm? Welche Gedanken kommen bei arbeitslosen Alleinerziehenden denn auf, dass sie davon krank werden? Ich habe hier versucht, mögliche Gründe in zwei Bereiche zu unterteilen. Erstens was denkt man als Betroffene/r hinsichtlich der Gesellschaft und was denkt man, was „die Gesellschaft“ denkt? Und zweitens wie sehen die Gedanken hinsichtlich des eigenen Lebens aus, wenn man alleinerziehend arbeitslos wird?

Ich widerspreche hier den Gedanken nicht, das wird Teil der anderen beiden Beiträge!

 

Depressive Gedanken hinsichtlich der Gesellschaft

  1. Man hat das Gefühl, man ist nichts mehr wert.
    Plötzlich leistet man nichts mehr, man arbeitet nicht mehr für sein Geld.
  2. Als arbeitsloser Teil einer zweier Elterngemeinschaft ist es weniger bedenklich.
    Da bleibt dann eben einer zu Hause und ist dann Teil des Systems, weil er sich um die Kinder kümmert. Ist ja nicht schlimm. Ist man hingegen alleinerziehend, kann man nicht arbeitslos zu hause bleiben und sich um das Kind kümmern. Das ist dann eher ein weiterer Markel, der uns anhaftet: Man ist nicht fürsorglich, sondern faul.
  3. Alleinerziehend und arbeitslos bietet daher den größten Stempel. Beschimpfungen sind manchmal nur im Kopf manchmal real. Schmarotzer ist da noch harmlos, was man zu hören bekommt. Man lebt ja auf Kosten anderer, das geht natürlich gar nicht. Also um die Kinder kümmern UND arbeiten ist dann Pflicht.
  4. Streitereien zwischen den getrennten Eltern sind vorprogrammiert.
    Dies führt, sofern der andere Elternteil vorhanden ist, oft zu Diskussionen: „ich zahle keinen Unterhalt für nicht arbeitende Personen“ etc. sind da ebenfalls noch harmlos. Da wird um jeden Cent gefeilscht.
  5. Mehr Randgruppe geht ja dann nicht.
    Man ist nicht nur Randgruppe Alleinerziehende/r sondern auch noch zusätzlich Arbeitslose/r. Man fühlt sich ausgestoßen und nicht zur Gesellschaft dazugehörig.
  6. Jede Tätigkeit und jeder Stress wird dann belächelt.
    Und selbst wenn man dann versucht, etwas sinnvolles zu tun (gemeinnützige Arbeit oder Selbständigkeit), wird dies immer belächelt. Ich weiß nicht warum, aber jede arbeitslose Alleinerziehende wird mir vermutlich bestätigen, dass sie für „Arbeit“ belächelt wird. „Ja mach Du mal“… man wird herabgesetzt. Stress darf man da nicht haben.

Hinsichtlich des persönlichen Lebens

  1. Einschränkungen.
    Das ist das einzige Wort, welches mir zu einem arbeitslosen Leben einfällt. Natürlich ist es richtig, dass ich mehr Geld habe, wenn ich dafür arbeite. Mich stört nur, dass Alleinerziehende noch weniger Geld haben, als andere Arbeitslose (doch das schreibe ich an anderer Stelle noch mal ausführlicher!). Doch das ist so! Glaubt mir! Man schränkt sich mit allem ein, was eben machbar ist. Die Lebensqualität tendiert in sehr, sehr vielen Fällen gegen Null.
  2. Schuldgefühle.
    Das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern ist so groß, das kann sich niemand außerhalb der Situation vorstellen. Dem eigenen Kind / den eigenen Kindern weniger bieten zu können als früher oder eben als andere, kann man kaum ertragen. Alleinerziehend ist kein anderer da, der diese Situation auffangen könnte.
    Man hat sich selbst, der Gesellschaft und allen anderen Schuldgefühle gegenüber. Dem Kind kein gutes Vorbild zu sein ist dann Schuldgefühl Teil II. Man lebt quasi das „Faul sein“ vor. Irrsinn, aber Gedanken sind ja nicht immer sinnvoll.
  3. Herabgesetzt.
    Im Übrigen: Das sogenannte Arbeitsamt ist KEINE große Hilfe, wenn es um das Auffangen und Unterstützen von Alleinerziehenden geht. Da wird eine Selbständigkeit verhindert, weil man ja sozialversichert erwerbstätig sein soll. Oder man bekommt Leistungen gekürzt, weil das Kind plötzlich durch die Schule weniger Betreuungszeit hat. Oder der „Betreuer“ ist einfach so unfreundlich und so verständnislos, dass es Betroffene schon krank macht, wenn sie nur an den nächsten Termin denken. Es ist… entwürdigend. Und nein, es hat sich nur wenig getan in den letzten Jahren.
  4. Der Kreislauf beginnt.
    Arbeitslosigkeit sehen viele als ersten Weg in die Armut an. Was übrigens auch berechtigt ist, wenn man auch noch alleine erzieht. Und die Kinder, die in Armut aufwachsen, sind ebenfalls arm. Die Chance, das sie da bleiben, ist groß. Ein Kreislauf und die Schuldgefühle wachsen weiter.
  5. Unbrauchbar
    Mit jedem Monat, der die Arbeitslosigkeit anhält (seien wir ehrlich, es sind Jahre) und mit jeder Absage und mit jedem Schreiben „Sie sind nicht vermittelbar“ sinkt das Selbstwertgefühl ins bodenlose.
  6. Nichts mehr zu erzählen.
    Das ist übrigens ein Hauptproblem aller depressiven Menschen: Sie denken, nichts mehr erzählen zu können. Wenn das Selbstbewusstsein nicht mehr vorhanden ist, dann erzählt man eben nichts mehr. Mit mehr als einem Kind hat man oft eh nur das Kinderthema während andere von der Arbeit erzählen.

 

Ich kann euch nur sagen, dass diese Gedanken kommen. Mal mehr, mal weniger und bei dem einen stärker als bei dem anderen. Aber unter Garantie treffen einige Punkte auf jeden alleinerziehenden Arbeitslosen zu. Und dann? Dann wird man krank, weil niemand solche Gedanken spurlos denken kann. Viele dieser Punkte sind natürlich nicht… wie soll ich sagen… nicht immer logisch nachvollziehbar. Aber was ist schon logisch, wenn man mit Ängsten zu kämpfen hat. Klassisch würde man diagnostizieren, dass man unter Existenzängste leidet und diese dann zu negativen Gedanken führen. Aber hey, wie man es nennt, ist ja eigentlich egal, oder?

Viele dieser Punkte münden einfach in einem einzigen großen Problem: Wenig Selbstwertgefühl und soziale Vereinsamung der Betroffenen.

 

 

Lest im zweiten Teil, welche Veränderungsvorschläge ich habe und im dritten Teil, was ihr selbst tun könnt, um als arbeitslose Alleinerziehende nicht in das tiefste Loch zu fallen.

 

Das sind 12 Punkte, die ich sehe, warum arbeitslose Alleinerziehende zu Depressionen neigen. Es gibt sicher noch mehr, oder? Fällt euch noch etwas ein? Schreibt mir eure Erfahrungen oder verlinkt zu euren Texten <3

 

 

Auf einem anderen Blog schrieb ich schon mal, dass es übrigens nicht einfach ist, seinem Kind das alles zu erklären. Das ist aber sicher noch ein weiteres Thema. Außerdem habe ich hier mal bei einem Blogprojekt #48stundenalleinerziehend mitgemacht und mal aufgeschrieben, wie das so war, mit dem Arbeitslos melden.

Fotoquelle: Pixabay.con: Unsplash; Counselling

Petra

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