Symptomatik Vergesslichkeit

Neulich sprach ich mit einer Angehörigen. Ihr Mann ist phasenweise depressiv. Wir sprachen darüber, wie es dann so abläuft und wie die beiden Parteien die depressive Phase wahrnehmen. Sie erwähnte, dass ihr Mann sich manchmal an ganz extreme Situationen wie Streit-Momente nicht mehr 100% erinnern kann.
Sie war etwas verwundert. Aber Fakt ist, viele Menschen, die depressive Phasen haben (gerade wenn diese Phasen sehr in der Emotionsstärke schwanken), vergessen Momente, Situationen. Sehr zur Verwunderung anderer. Warum?

Vergesslichkeit ist ein Symptom

Im allgemeinen ist uns allen bekannt, dass Depressionen negative Gedanken und Antriebslosigkeit schürt. Das sind sogenannte Hauptsymptome (Quelle 2). Es gibt aber auch Nebensymptome, die uns nicht so geläufig sind. Wie etwa kognitiven Einschränkungen (Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit). Wobei, das stimmt nicht ganz. Oft fallen uns diese Einschränkungen als Entscheidungsunfreudigkeit auf. Depressive Menschen können oft keine Entscheidungen treffen und Termine sind für sie Horror. Doch die Einschränkungen gehen zum Teil noch tiefer:

 

Tatsächlich ist es so, dass 94 Prozent der Depressionspatienten unter kognitiven Beeinträchtigungen leiden. So las ich jedenfalls auf mehreren Internet-Seiten nach (Quelle 1) und war selbst erstaunt darüber. Vergesslichkeit ist also etwas, was bei depressiven Menschen häufiger auftritt?

 

Offensichtlich fand man durch Studien heraus, dass sich während einer depressiven Episode eine generelle kognitive Verlangsamung belegen lässt (Quelle 1). Das Gehirn arbeitet langsamer, nimmt nicht mehr alles auf. Betroffene beschreiben es gern als „wie in Watte“. Gerade wenn eine neurobiologische Depression vorliegt, ist während dessen der Stoffwechsel des Gehirns gestört. Das bedeutet, dass die Botenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin, die für die Übertragung von Impulsen zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind, entweder zu viel oder zu wenig produziert werden (Quelle 2).

Was bedeutet das für die Erkrankten? Wie geht man damit um?

Bild: Zerknüllte Notizen, weil man zu viel vergessen hat
Erkrankte sind oft wütend und traurig, wenn sie merken, was sie vergessen.

Sollte es sich also um eine Stoffwechsel-Störung handeln, sollten Erkrankte unbedingt zum Arzt. Denn hier können Medikamente wie Antidepressiva die Botenstoffe wieder in Balance bringen.

 

Aus dem Gefühl heraus würde ich sagen, man sollte depressiven Menschen nicht so häufig belegen, WAS sie alles vergessen. Je nach Häufigkeit der vergessenen Momente kann dies Angst schüren und zu Zwangsströrungen führen. Es ist schon schwer genug, dass man verlangsamt arbeitet, wenn man eine depressive Phase hat. Auch noch zu wissen, was man alles dabei nicht mehr weiß, würde mich in Panik versetzen. Wut, Angst und Traurigkeit sind für Depressive schon präsent…

 

Trotzdem ist es wichtig, dass man Erkrankte auf diese Symptome hinweist! Soziale Kontakte können durch diese kognitiven Einschränkungen (noch mehr) leiden. Nach einem Streit den Inhalt dessen zu vergessen, kann zu argen Beziehungsproblematiken führen. Termine nicht mehr zu wissen, führt zu Frust und dann zu einem Kreislauf der negativen Gedanken: Ich kann nichts, ich schaffe das nicht. OBWOHL man an der Vergesslichkeit gar nicht selbst Schuld ist.

Was bedeutet es für Angehörige?

Angehörigen würde ich daher immer raten, bei einem Arzt oder in einer Selbsthilfegruppe Informationen einzuholen. Dort beantwortet man dann Fragen nach „wieviel Vergessen ist noch normal“.

 

Für Angehörige ist es natürlich besonders schwer, dieses Symptom zu akzeptieren. Was meint die erkrankte Person wirklich und was sagt sie aus der Krankheit heraus und was weiß sie von alle dem später noch? Das sind Fragen, die nicht zu unterschätzen sind! Führen sie doch zu Zweifel und Mißtrauen. Etwas, was eine Beziehung zu einer depressiven Person nur ins wanken bringen kann. Wir sind ja gern der Meinung, unser Gegenüber tue etwas nur, um uns zu ärgern und äußern Schuldzuweisungen. Die in diesem Fall gar nicht zutreffen. Und depressive Menschen geben sich eh schon die Schuld für alles.
Aufklärung der Angehörigen kann hier nur der Weg sein!

Vergesslichkeit im Alter? Demenz oder Depression

Weil Depression nichts ist, was sich auf eine Altersgruppe beschränkt, hier noch ein Hinweis (obwohl ich mich ja primär an Eltern richte). Ältere Menschen, die an Vergesslichkeit leiden, gehen oft nicht zum Arzt, weil sie die Diagnose Demenz fürchten. Es sollte aber dringend ein Neurologe oder Psychologe hinzugezogen werden, wenn es um die Vergesslichkeit im Alter geht. Eine Altersdepression ist immer auszuschließen – sie würde eine ganz andere Behandlung verlangen.

 

 

HINWEIS: Ich bin kein Arzt, lediglich Betroffene und Interessierte. Meine Artikel ersetzen keinen Arzt, sondern sollen Aufklärung betreiben.

 

 

Quelle 1: www.neurologische-krankheiten.info

Quelle 2: www.deutsche-depressionshilfe.de

Bildquelle: Pixabay.com (RyanMcGuire; congerdesign)

 

Petra

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