Titelbild zu "Hochsensibel": Alles is verzerrt

Hochsensibel – mein Grundwissen

Wie im Newsletter angekündigt, schreibe ich heute etwas zum Thema „Hochsensibel“. Doch zu erst klären wir mal folgende Frage, oder?

Was hat Hochsensibilität mit Depressionen / Burnout zu tun?

Erwiesenermaßen? Nix. Ich glaube, es gibt keine amtliche Studie darüber, dass Hochsensibilität vermehrt zu Depressionen oder einen Burnout führt (wenn ihr eine habt, her damit!!!). Mittlerweile ist Hochsensibiltität – von Heilpraktikern schon lange so erkannt – nun auch von der Medizin anerkannt bzw. geduldet.

Was ist Hochsensibilität?

Ich habe im letzten Newsletter schon vorab kurz erklärt, dass „ich bin hochsensibel“ nichts weiter bedeutet als „einer meiner Sinne ist hoch sensibel“. Es ist also keine Krankheit, etwas Ansteckendes oder sonst etwas furchtbar Schlimmes. Es heißt, dass der natürliche Filter, der uns vor absoluter Reizüberflutung schützt, durchlässiger ist, als bei anderen.

 

Manchen ergeht es so mit einem Sinn (dann hören sie vielleicht besonders gut oder fühlen Hitze über die Haut schneller als andere), andere aber haben das mit mehr als einem ihrer Sinne. Dann sind sie empfindlich für Geräusche, für Körperkontakt und vielleicht zusätzlich für Schwingungen, die entstehen, wenn viele Menschen zusammen sind. Oder sie können Sonnenlicht nicht gut ertragen, nehmen schnell Schmerzen wahr und sehen zudem weiter als der Durchschnitt.

Hochsensibel: Erfahrungsbericht

So bin ich: Viel hören, viel denken, viele Stimmungen / Schwingungen, viel sehen. Wenn viele Menschen zusammen sind, fällt es mir unglaublich schwer, mich zu konzentrieren. Ja, sagt ihr, dass geht ja vielen so (eine der Hauptkritikpunkte von Hochsensibilitäts-Gegnern, die diese Eigenschaft nicht anerkennen wollen). Selbstverständlich sind viele Menschen auf die ein oder andere Art sensibler, wenn es um große Menschenansammlungen geht. Und doch gibt es viele, die bei der richtigen Gelegenheit wie einem großen Konzert, die Menschenmassen in kauf nehmen. Ich auch, aber mich stresst es auf so vielen Ebenen und ich muss eben sehr viel auf mich Acht geben: Meine Augen wissen nicht, wo sie hinsehen sollen; meine Ohren nehmen nach kurzer Zeit nur ein Rauschen wahr und ich tigere dann meinst ziellos von Ort zu Ort, weil ich es nicht ertrage, irgendwo zu stehen. Denn meine Ohren wollen alles hören, jedes Gespräch. Ich schaffe es sooo selten, andere Gespräche einfach auszublenden. Derweil rattert mein Kopf unentwegt und denkt dieses und jenes. So passierte es mir übrigens vor einer Woche auf der Konferenz #denkst (meinen Bericht dazu, lest hier).

 

Es nahmen 120 Personen plus Kinder an der Konferenz in Nürnberg teil. Ich liebe Netzwerken. DAS ist mein allergrößter Konflikt. Ich möchte mit so vielen Menschen sprechen, reden, mich austauschen. Und dann geht es aber irgendwann nicht mehr. Dann fällt ein dickes Tor vor mein Inneres und ich kann nichts mehr aufnehmen. Tillt.
Beim Mittagessen habe ich mich in eine kleine Ecke zurück gezogen, weil ich die Geräusche nicht hören wollte. Als wir schließlich aufbrechen wollten, war ich kurz den Tränen nahe, als mein Sohn traurig war. Er ist öfter traurig. Das sollte mich nicht schockieren.

Hochsensibel als Mutter

Doch das ist der nächste Punkt: Mein Sohn und ich, wir spiegeln so sehr unsere Gefühle hin und her, dass ich manchmal selbst darüber staune, wie empathisch wir zueinander sind. Der Nachteil: Man kann sein Gegenüber nicht auffangen, wenn die Gefühle einen gleich mit übermannen. So war meine Überflutung und seine Traurigkeit fast zu viel für den anderen an diesem Tag! Ich bin immer noch glücklich über die Referentin, die uns ein Theater als Trost schenkte und mich bewusst damit entlasten wollte. MERCI!

 

So könnte ich euch 100 Geschichten von mir und meinem Sohn erzählen, aber ich glaube, ich werde daraus mal eine Reihe machen, was meint ihr? Denn Kinder und Hochsensibilität ist vererbbar und damit ein Pulverfass. Oft werden dann Worte wie ASPERGER oder AD(H)S in den Mund genommen… Völlig zu unrecht!

Depressionen / Burnout

Um noch mal den Bogen zur Eingangsfrage zu stellen: Was hat das mit Depressionen zu tun? Eltern, die selbst hochsensibel sind, leiden mit ihren Kindern. Gerade wenn die Babys auf die Welt kommen und wir noch absolut nicht verstehen, was sie wollen, trifft uns das mitten ins Herz. Wenn sie dann viel schreien (hier meine ich die Lautstärke), leidet das Gehör. Wer dann noch wenig Schlaf bekommt, der überreizt noch mal mehr. Die Gedanken rasen dann, können kaum zur Ruhe kommen. Das Herz schlägt und man fängt an, sich die wildesten Vorwürfe zu machen, bis hin zu: Ich kann das hier nicht. Hochsensibel bedeutet, seine eigene Grenze nicht zu kennen und wer sich selbst nicht sieht und aufgrund von fehlenden Grenzen für sehr klein hält, wird schneller depressiv.

Wer seine Umwelt nicht filtern kann, wird ganz schnell an sich selbst zweifeln. Denn alle anderen kommen mit der Situation scheinbar mühelos klar. Trugschluss!

 

Kommt euch bekannt vor? Ja, so ungefähr beschrieb ich auch die Wochenbettdepression. Ich will damit sagen: Wer eingehende Reize noch weniger filtern kann, der hat es als Elternteil sehr schwer mit kleinen Kindern.

 

Sandy erzählt im Podcast von ihren Erfahrungen mit Depressionen und reißt das Thema „Hochsensibilität“ kurz an. Und wir haben uns lange darüber unterhalten, wie es ist, wenn Kleinkinder „endlich“ reflektieren können. Ich habe 3 Kreuze gemacht, als es diese Entwicklung hier voran ging.

Wie kommt man mit Hochsensibilität klar?

Was solltet ihr also tun, wenn ihr merkt, ihr könnt die Reize nicht aushalten?

  1. Geht! Wenn ihr nicht trainiert seid, verlasst die Situation. Umgehend. Andernfalls werdet ihr Kopfschmerzen, Schwindel, Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Sehverlust oder andere Symptome ernten. Das hört sich hart an? Ist es. Denn das sind beispielsweise die Reaktionen, die mein Körper gerne zeigte. Mit der Zeit sind nur noch kleinere Auszeiten nötig.
  2. Trainiert eure Achtsamkeit. Ja! Auch wenn wir alle das Wort „Achtsamkeit“ nicht mehr hören können, so ist sie doch ein wichtiges Mittel, um bei sich selbst zu bleiben und nicht den Fokus zu verlieren. Im Newsletter gebe ich euch jede Woche eine Übung mit an die Hand. Es sind kleine Momente, die uns darauf trainieren, dass unsere Reize sich verschließen und wir nur noch einen Sinn wahrnehmen. Das tut sooo gut!
  3. Wenn ihr gar nicht anders könnt und den Reiz aushalten müsst, wie bei Babys, dann sucht euch einen Reiz, der stärker ist als der, der euch fertig macht. Einer Freundin hat man mal zu einem Gummiband geraten: Sie trug es ums Handgelenk und immer, wenn die Gefühle / Gedanken zu laut wurden, hat sie es seeehr heftig schnacken lassen. Schmerzen an der Haut rütteln das innere System wach, was dann mit „Droht Gefahr?“ antwortet statt mit „lass mal hier gucken, oder dort, oh was ist das für ein Geräusch, ich bin müde, oh das ist aber interessant“. Ein einziger Gedanke versus sehr vielen. Probiert es mal aus.
  4. Grenzt euch liebevoll von der Umgebung ab. Ich visualisiere mir dann immer eine leuchtende Schutzhülle um mich rum. Mein Unterbewusstseins-Typ, den ich hier öfter erwähne, steht da voll drauf. Sobald er das Bild sieht, denkt er, es wäre alles gut 🙂
  5. Und für geübter Betroffene empfehle ich ein Symbol wie eine Kette, einen Stein in der Tasche oder auch etwas abstraktes wie eine Farbe. Man kann sich darauf trainieren, wenn man das besagte Symbol anfasst / ansieht, dass die Gedanken sich darauf fokussieren und alle anderen Sinne ausgeschlossen werden. Das bedeutet aber viel Übung.
  6. Lernt, dass man auch mal „nein“ sagen kann, wenn man weiß, die kommende Situation schadet mir nur.
  7. Tipp 5 aber der wichtigste: Informiert euch! Es gibt haufenweise gute Literatur und Webseiten über Hochsenbibilität.

 

Wenn ihr nun wissen wollt, ob ihr hochsensibel seid, macht einen Schnelltest. Er funktioniert nur, wenn ihr sehr ehrlich mit euch selbst seid. Nehmt euch lieber Zeit und wägt gut ab:

Zartbesaitet.net ist eine gute erste Adresse

 

Petra

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Petra

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