Mensch in Shilouette - erkennen, wer da vor einem steht.

Checkliste für Arbeitgeber – Burn Out erkennen

Ich möchte eigentlich keinen Chef vor den Pranger stellen. Jeder Job ist hart und gerade wenn man ein Team leitet, ist es nicht immer einfach. Menschen sind nicht einfach.
Depressionen zu erkennen ist für jemanden, der außen steht, selbstverständlich total schwer.
Aber weil ich es jetzt mehrfach bei mir selbst und in meinem Umfeld erlebt habe: bitte liebe Chefs, Teamleiter, Arbeitgeber, schaut hin, wie es euren Mitarbeitern geht. Ich verstehe, dass man oft nicht die Zeit oder das Vertrauen des Mitarbeiters hat. Trotzdem seid ihr in einer sozialen Verantwortung. In der Verantwortung zu sehen, was mit eurem Team vor sich geht.

 

Ist ein Mitarbeiter erst so schwer erkrankt, dass er zusammenbricht, sind die Folgen viel schwerwiegender und der Krankheitsverlauf dauert noch länger. Manchmal kann es helfen, wenn man schon erkennt, dass etwas nicht stimmt, bevor der Arbeitnehmer es selbst sieht. Beide Seiten profitieren von mehr Achtsamkeit. Prävention ist nämlich immer „günstiger“ als die Schäden zu reparieren. Auf vielen Ebenen.

 

Wenn ihr nicht wisst, wonach ihr Ausschau halten müsst, dann habe ich hier mal versucht zusammen zu fassen, woran man depressive Phasen explizit bei Mitarbeitern erkennen kann (bitte bis zum Ende lesen).

Depressionen erkennen – ein Versuch

WICHTIG: Das hier hat aber selbstverständlich keinen Anspruch an Vollständigkeit und ersetzt auch in der Regel weder ein Gespräch noch einen Arztbesuch seitens des Mitarbeiters für eine Diagnose. Zusätzlich weise ich darauf hin, dass ein Punkt allein kein Grund für Besorgnis gibt – es muss ein Zusammenspiel zwischen den Punkten geben. Vielleicht einen Grund für ein Mitarbeiter-Gespräch, aber dann nicht zwingend über Depressionen.

 

Es sind meine Beobachtungen, die ich leider viel zu häufig machen musste und die Chefs (Teamleiter wie Arbeitgeber) zu oft ignorierten.

  • Motivation
    Jeder Mitarbeiter hat Tage, an denen ist er mal nicht motiviert.
    Bei depressive Menschen gibt es zwei Extreme: Entweder totaler Motivations-Verlust oder aber absolutes Workaholic verhalten.
  • Gute Laune
    Auch hier gibt es Extreme. Zum einen die eweig Lächelnden. Depressive Menschen neigen dazu in der „ich will es nicht wahrhaben“ Phase alles und jeden mit einem Lächeln zu begegnen. Es ist wie ein Schutzwall. Habe ich selbst gemacht, klappt prima…
    Und zum anderen die grundsätzlich immer grübelnde, negativ angehauchte Denkweise, die oft sehr in das Emotionale übergeht (Tränen etc.). Gerne geht auch das erste Extrem ins nächste über, also von ewig lächelnd zu sehr oft weinend.
  • Konzentrationsschwächen
    Wie ich hier schon schrieb, neigen Depressive dazu, ihre Konzentration zu verlieren. Das liegt an der kognitiven Einschränkung. Der Kopf arbeitet oft langsamer. Es entstehen also sich häufende Fehler (gern völlig banal) oder derjenige leidet an zunehmender Vergesslichkeit. Gerade Besprochenes scheint nicht gehört zu werden.
  • Körperliche Beschwerden häufen sich
    Viele, die über ein Arbeitsverhältnis ins Burn Out oder in die Depression schlitterten, erzählten mir von vielen kleinen oder sehr gravierenden Krankheiten. Stetige Erkältung, Hörsturz, Rücken- bzw. Nackenbeschwerden, Magenbeschwerden, Sehstörungen, Stimmverlust… all das können körperliche Symptome sein.
  • Anhaltende Müdigkeit
    Depressionen gehen sehr oft mit Schlafstörungen einher. Man schläft nicht mehr so, wie es für den Job angebracht wäre. Das fördert natürlich auch nicht die Konzentration, geht aber über das normale „ich hab mal schlecht geschlafen“ hinaus. Auch wenn es Eltern mit kleinen Kindern sind, die Müdigkeit von Sorgen sieht irgendwie anders aus als die von „ich musste wickeln“.
  • „Ausreden erfinden“
    Manche werden auch gut in „Ausreden“. Das hört sich gemein an, aber es geht im Grunde darum, dass man für all die oben genannten Symptome eine Art Ausrede hat: Verwandte gehts nicht gut, Kinder krank, Wetter, Mond… Alles Gründe, warum man nicht gut drauf ist, die eines gemeinsam haben. Sie haben nichts mit dem Menschen zu tun. Dieser vermeidet es sozusagen, sich selbst in die Augen zu sehen.
  • Termin Probleme
    Termine machen Depressiven Druck. Sie sind von jetzt auf gleich überfordert. „Morgen ist Abgabge“ oder „Sie können doch morgen“ sind Sätze, die Mitarbeiter und gerade Eltern mal ins Schwitzen bringen können. Depressive leiden aber fast körperlich und halten Termine dann oft nicht ein.

Mein Mitarbeiter ist plötzlich anders

Selbstverständlich kann jeder sich verändern. Menschliche Beziehungen ändern sich, die eigene Denkweise ändert sich. Da ist nichts auffällig. Dennoch glaube ich, wenn Menschen plötzlich anders sind als vorher, gibt es einen Grund, den man als Chef erfragen sollte.

 

Dafür ist weiß Gott Fingerspitzen-Gefühl gefragt. Niemand findet die plumpe Frage „Leiden Sie an Depressionen?“ hilfreich. Darf man auch nicht (informiert euch in der Rechtsabteilung, wie weit man gehen darf).
In einem guten Arbeitsverhältnis sollte aber ein einfühlsames Nachfragen möglich sein, und im allgemeinen Interesse sein (oder wie seht ihr das?). Ein ehrliches „Wie geht es Ihnen?“ reicht schon, finde ich. Vielleicht erfährt man ja, was den Gegenüber bedrückt?!

 

Ich denke, ich werde noch einen Beitrag schreiben: Wie man depressive Menschen am besten darauf anspricht. Denn sollte ein Vorgesetzter oder Arbeitgeber so plump sein und sagen „Sie sind so unkonzentriert, alles ok?“ dann wird im Ernstfall die depressive Person sich noch mehr Vorwürfe machen, sich noch weniger konzentrieren können und weiter abrutschen. Dazu bedarf es aber sicher mehr Beispiele mit mehr Erklärungen in einem extra Text.

Wenn ihr jetzt als Chef einfach ein bisschen besser hinseht, wie es den Mitarbeitern geht, dann wäre doch ein Anfang schon gemacht, oder?

 

Bildquelle: Pixabay.com (Devanath)

Petra

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